Post mortem
15. Mai 2010

Eines ist gewiss: Keiner weiß wirklich was mit dem Menschen nach dem Tod passiert, denn leider Gottes kann uns niemand mehr davon berichten, wenn er einmal dahingeschieden ist. Trotzdem beschäftigt mich diese Frage schon irgendwie. Was passiert denn eigentlich sobald das Herz bzw. das Gehirn aufhört zu arbeiten? Irgendwie müsste doch da noch irgendetwas sein, oder nicht? Erwartet uns einfach ein schwarzes Nichts von dem wir im Endeffekt eh nichts mehr mitbekommen?
Logisch wäre es, aber Logik hat eines im Alltag gezeigt: Sie ist unlogisch. Logisch nach der Psyche des Menschen, wäre es wenn Liebe, die nichts anderes als Gewohnheit ist, nie vergehen könnte, denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier und müsste also theoretisch beim ersten Partner bleiben, wenn dieser ihn nicht in anderen Gewohnheiten einschränkt – Klappt nicht. Was folgt also nach dem Exitus?
Kann man sich überhaupt etwas anderes vorstellen als einfach zu verrotten? Alleine die Vorstellung der “Wiedergeburt” erscheint irgendwie abstrus. Wie würde das aussehen? Peter stirbt, wird beerdigt, seine Seele verlässt seinen Körper und schwebt in ein Spermium eines beliebigen Mannes, welches dann zufällig erfolgreich die Mutter befruchtet, 9 Monate später ist Peter wieder da – “Willkommen zurück” müssten wir doch dann eigentlich im Krankenhaus aufhängen, oder nicht? Gefällt mir, die Vorstellung des Buddhismus. Buddha war ja eh ein ziemlich cooler Gott. Eine Frage wäre natürlich noch: Ist das Leben besser als das Vorherige oder schlechter? Laut der Karma-Theorie müsste es so gut bzw. so schlecht sein, wie die Absichten des Menschen waren, der wiedergeboren wird. Also müsste jede unserer Handlungen und jeder Gedanke in unser nächstes Dasein einfließen. Ich will wirklich nicht ironisch werden, aber: Der Buddhismus müsste doch danach eine Art REAL-Markt sein, mit einem eigenen Payback-System: “Sei immer nett und kaufe im Buddhismus deine Wertvorstellung, denn dann bekommst du tolle Extras in deinem nächsten Leben.” Eine, wie ich finde, sehr gute Überlegung, die Buddha da hatte.
Werden wir nun also wiedergeboren? Steht uns die Reinkarnation bevor, wie es Buddha uns erzählt, oder doch etwas ganz anderes? Wie wäre da zum Beispiel der Gedanke der christlichen Kirche: “Alle Menschen kommen in den Himmel.” Schön wär’s doch oder nicht? Wieder Peter: Peter stirbt, wird beerdigt, seine Seele verlässt seinen Körper – bis hierhin nichts Neues – und er wacht glücklich in ein weißes kleidähnliches Gewand gehüllt und ein großer, bärtiger Mann sagt: “Moin, ich bin Gott. Du bist im Himmel. Glückwunsch.” – Klingt schon besser, aber wo bleibt bei diesem Plan die allseits unbeliebte Hölle? Wartet nicht auch der Teufel auf neue Arbeiter? Also stellen wir fest: Diese Theorie ist auch noch nicht optimal ausgereift. Was würde beispielsweise passieren, wenn sich ein Mensch einfrieren lässt? Würde das den Vorgang verändern oder gar verhindern? Was wäre, wenn es tatsächlich irgendwann einmal möglich ist einen Eingefrorenen lebendig aufzutauen? Gruselige Vorstellung.
Trotz der Zweifel ist ein wahrer Glaube doch tatsächlich das beinahe Wichtigste im Leben eines Menschen, denn ohne ihn gäbe es uns mit Sicherheit schon nicht mehr. Der Glaube schafft Hoffnung, Liebe, Gemeinschaft, Vertrauen und die Gewissheit, dass immer jemand für einen da ist, egal was passiert. Leider ist unsere Zeit und hektisch und laut geworden, und viele vergessen ihren Glauben. So ging es auch mir in der Vergangenheit. Wenn es gut läuft und viel unternommen wird, haben wir keine Zeit mehr uns mit dem Thema “Gott” auseinander zu setzen. Nur, wenn es einem schlecht geht und man sehr viel nachdenkt, überdenkt man auch einmal seine Glaubensvorstellung. Ich war nie vollkommen ungläubig, nur war die Verbindung durch den Stress und den Trubel des Alltages einfach unterbrochen. Ohne Ruhephasen und Zeit für das Bewusstwerden der Schönheit unseres Lebens, kann einem nicht klar werden, wie die Rolle des Glaubens in unserer Welt tatsächlich ist. Gerade die Hoffnung, die vom Glauben transportiert wird, lässt uns Tag für Tag neu unser Bett verlassen, auch wenn es einmal gerade alles sehr schwierig ist im Leben, hält uns der Gedanke an bessere Zeiten im Diesseits. Und jeder, der erzählt, er sei Atheist, hat eines gewiss nicht: Ein vollkommen erfülltes Leben.
Wie vielleicht einige Wissen bin ich auf einem Wirtschaftsgymnasium und in VWL (Volkswirtschaftslehre) haben wir vor einigen Monate einmal einen Grundbaustein für die gesamte VWL gelernt: “Der Wohlstand und die Bedürfnisbefriedigung eines jeden lässt sich am BIP (Brutto-Inlands-Produkt) pro Kopf des jeweiligen Heimatlandes ablesen.” Wenn ich eines auf dieser Schule lerne und bereits gelernt habe, ist es, dass diese Lehre kaltherzig und ohne Liebe ist, denn was bedeutet denn wahrer Wohlstand? Liebe, Gemeinschaft, Hoffnung, Glaube und andere immaterielle Werte, die keine Wirtschaft am BIP pro Kopf ersehen kann. Ginge es nach diesen Menschen, wären wir schon lange eine Spezies, die überhaupt keinen Funken Glück mehr hätte, außer unter Umständen materielles “Glück” wie einen Ferrari.
Zum Abschluss würde ich euch übrigens gerne meine Vorstellung von “Post mortem” verraten: Ich glaube fest daran, dass es etwas nach dem Tod gibt. Möglicherweise etwas, was auch Elemente des Buddhismus enthält. So glaube ich daran, dass wir im Leben für alles eine Quittung kriegen. Tut man Gutes, so ist es nie vergebene Mühe, denn irgendwann einmal bekommt man diese guten Taten und Absichten von irgendjemandem zurück. So ist es auch mit den schlechten Dingen, mit denen wir tagtäglich zutun haben. Auch sie werden irgendwie auf denjenigen zurückfallen: “Früher oder später holt einen alles ein. Das Leben ist gerecht.” – Und wirklich, das Leben ist gerecht. Für den einen oder anderen unverständlicherweise, aber was wäre das Leben ohne Höhen und Tiefen. Jeder Gemütszustand ist eine andere Farbe und wenn man nicht wenigstens ab und zu jede dieser Farben besuchen würde, gerieten sie vollkommen in Vergessenheit. Wichtig ist nur, dass du nie stehen bleibst.




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